Autoschlüssel wiedergefunden

Unerwartet rumpelte mein Mobiltelefon an einem Sonntagabend. Es meldete sich eine mir
unbekannte Frau. Sie habe meine Nummer von meiner Homepage. Sie sei auf der Suche nach
einem Sondengänger in der Umgebung, der ihr bei der Suche nach ihrem Autoschlüssel helfen
könne.

Sie habe bei einer Jagd geholfen, das getroffene Wild zu finden. Hier sei sie über einen Weg in
den Wald zum Standort des Jägers gegangen und habe von dort im Umkreis von 50-100 Meter
das Wild gesucht. Wir verabredeten einen zeitnahen Termin.

Die Temperaturen bewegten sich bereits seit einigen Tagen unterhalb des Gefrierpunktes. Da der
Weg aber hoch voll Laub gewesen sei und der Schlüssel ja noch nicht lange dort lag sah ich
trotzdem gute Erfolgsaussichten.

Wir trafen uns vor Ort am Waldrand, wo ihr Auto auch beim Verlust des Schlüssels geparkt war.
Mittlerweile hatte es geschneit und es lagen ca. 5-10 Zentimeter. Schnee auf dem, zu einer festen
Masse gefrorenen Gemisch aus Laub und dem lehmigen von Wildschweinen aufgewühlten
Waldweg. Wir begannen dennoch mit der Suche. Schnell wurde jedoch klar, dass der Schlüssel
bereits einige Zentimeter in dem hartgefrorenen Untergrund sein könnte und wir trotz guter
Signale nicht an die Objekte herankamen. Zudem war es dunkel und der genaue Standort des
Jägers war nicht auszumachen. Nach etwas über einer Stunde brachen wir die Suche ab und
planten einen weiteren Versuch in besserer Witterung.

Zwei Wochen später war es dann soweit. Der Frost hatte sich verzogen und drei Tage ohne
Temperaturen unter dem Gefrierpunkt verhießen eine erfolgreichere Suche. Schnell war ein
geeigneter Termin gefunden. Kurz vor dem Treffen musste die Verliererin des Schlüssels jedoch
wegen einer weiteren Jagd, um getroffenes Wild zu finden, absagen. Ich machte mich also alleine
auf den Weg. Zu dieser Wild-Suche wird sich gegenseitig „Suchenheil“ gewünscht. Das wünschte
sie mir in diesem Fall auch.

Diesmal bei Tageslicht und mit den Koordinaten des Standortes des Jägers machte ich mich
erneut auf die Suche. Der Weg war schnell abgesucht, da die in Frage kommenden Signale leicht
zu bergen waren. Dann wollte ich den besagten Standort des Jägers aufsuchen. Leider hatte ich
die Daten in einer APP gespeichert, welche zum Laden ein mobiles Datennetz benötigt. Vor Ort
gab es aber weder ein Netz für mobile Daten noch für einfachen Telefonkontakt. So blieb mir
nichts übrig als mich aufs gerate wohl in den Wald zu schlagen. Ich musste einen steilen Hang
erklimmen um weiter oben der Zivilisation und dem benötigten Daten-Netz wieder etwas näher zu
kommen. Auf dem Weg dahin gab es sogar noch eine kleine barbarisierte römische Münze und
zwei Musketen-Kugeln zu finden.

Als ich endlich den Standort ermittelt und gefunden hatte, war mein gesetztes Zeitfenster bereits
fast am Ende. Im Kopf legte ich mir bereits Formulierungen zurecht, mit denen ich meiner
Auftraggeberin klar machen konnte, dass ich den Schlüssel nicht habe finden können. Doch dann
war es wie ein Wunder, als ich ein passendes Signal bekam und unter der Spule einen
Autoschlüssel fand. In diesem Moment wurde mir bewusst, dass ich noch nicht einmal die
Automarke im Kopf hatte, weshalb ich nicht sicher sein konnte, den richtigen Schlüssel gefunden
zu haben. Aber das wäre ja der größte Zufall, wenn ausgerechnet hier ein zweiter Schlüssel
verloren gegangen wäre.

Die Information über meinen Fund hätte ich gerne direkt weitergegeben, was jedoch wieder
mangels Netzes scheiterte. Ich machte mich also ein wenig unsicher, ob ich den richtigen Fund
dabei hatte zurück zum Auto. Erst nach einigen Kilometern Fahrt kam ich dann in den Bereich
eines ausreichend stabilen Netzes um meinen Fund zu übermitteln. Umgehend erhielt ich einen
Anruf meiner Auftraggeberin, die mit ihrem Jubel eindeutig bestätigte, dass der Schlüssel der
richtige sei.

Wir verabredeten noch eine Übergabe, sie freute sich wirklich über den wiedergefundenen
Schlüssel. Bei dieser Gelegenheit ersetzte ich ihren Erfolgs-Wunsch „Suchenheil“ durch unser
„Gutfund“.

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